Fallstudie | Umwelt
Ein EU-Projekt modernisierte das Luftqualitätsnetzwerk in Nordzypern: Fidas® Systeme liefern Echtzeitdaten, verbessern Transparenz und schaffen die Basis für gezielte Maßnahmen.

Die Türkische Republik Nordzypern (TRNC) liegt im östlichen Mittelmeerraum an der Schnittstelle zwischen Europa, Asien und Afrika. Diese Lage macht die Region besonders anfällig für Probleme mit der Luftqualität. Studien zeigen, dass Zypern stark von grenzüberschreitender Verschmutzung betroffen ist: Emissionen aus Europa, Asien und dem Nahen Osten sowie natürliche Staubquellen aus Nordafrika führen regelmäßig zu hohen Schadstoffwerten. Die Grenzwerte für Ozon und Aerosole werden häufig überschritten. Die Region gilt als Hotspot für Luftverschmutzung, wo lokale Emissionen, Waldbrände und Staubaufwirbelungen – also das Aufwirbeln von abgelagertem Staub durch Wind oder Verkehr – die Situation weiter verschlimmern. Für die Bevölkerung hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität.

Ein EU-Projekt für sauberere Luft

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, unterstützte die Europäische Union im Rahmen ihres Hilfsprogramms für die türkisch-zyprische Gemeinschaft ein Projekt zur Modernisierung des Luftqualitätsüberwachungsnetzes. Ziel war es, die Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften und Luftqualitätsstandards zu stärken, um die öffentliche Gesundheit zu verbessern, die biologische Vielfalt zu schützen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu erhöhen. Das Projekt wurde von der Umweltschutzabteilung der TRNC mit Unterstützung des Hilfsprogramms der Europäischen Union geleitet. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit ENVItech Bohemia s.r.o, einem regionalen Partner der Palas GmbH.

In der ersten Projektphase von 2020 bis 2021 wurden zehn EN 16450-zertifizierte Geräte des Fidas®-Systems installiert. Diese hochpräzisen Systeme liefern kontinuierliche Echtzeitmessungen der Partikelgrößenverteilung und der Feinstaubkonzentrationen, selbst unter extremen Bedingungen wie Sahara-Staubereignissen, die regelmäßig mehrere Tage andauern und die PM10-Werte weit über die Grenzwerte treiben. Die Daten werden in einem zentralen Managementzentrum in Nikosia gesammelt, dort analysiert und sowohl Behörden als auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die neuen Messergebnisse zeigten deutlich den starken Einfluss lokaler Quellen. Insbesondere Baustellen erwiesen sich als bedeutende Verursacher der Feinstaubbelastung. Infolgedessen wurden praktische Maßnahmen eingeführt, wie die Einfriedung von Baustellen, regelmäßige Straßenreinigung und -bewässerung sowie die Abdeckung potenzieller Staubquellen. Gleichzeitig wurde der Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen erheblich verbessert. Über Online-Portale und künftig auch über große digitale Informationstafeln in städtischen Gebieten können die Bürger nun in Echtzeit auf Luftqualitätsdaten zugreifen und werden rechtzeitig gewarnt, wenn die Schadstoffwerte hoch sind.

Über Feinstaub hinaus

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts war die Ausweitung der Überwachung auf zusätzliche Schadstoffe. Mit Unterstützung von EU-Experten wurden Workshops und Schulungen zu flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) durchgeführt, die insbesondere bei der Lagerung und dem Vertrieb von Kraftstoffen relevant sind. Die lokalen Behörden wurden in Standardarbeitsanweisungen (SOPs) für Messungen und Analysen geschult und entwickelten neue Vorschriften, um die VOC-Emissionen an Tankstellen und Terminals besser zu kontrollieren. Darüber hinaus wurde ein Referenzlabor eingerichtet, das mit modernsten Geräten zur Messung von Schwermetallen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in der Umgebungsluft und zur Validierung von Feinstaubmessungen anhand von EU-Referenzmethoden ausgestattet ist. Dies hat die wissenschaftliche Grundlage des Überwachungsnetzes erheblich gestärkt.

Herausforderungen und der Weg in die Zukunft

Während des Netzbetriebs traten auch einige Schwierigkeiten auf. An mehreren Stationen kam es zu häufigen Stromausfällen, die die Datenerfassung unterbrachen und die Repräsentativität der Ergebnisse beeinträchtigten. Darüber hinaus zeigten einige Geräte nach einigen Jahren Verschleißerscheinungen. Diese Probleme sollen in der zweiten Projektphase, die 2025 beginnt, angegangen werden. Geplant ist, ältere Geräte zu ersetzen, eine zuverlässige Stromversorgung sicherzustellen und große öffentliche Anzeigetafeln zu installieren, um die Echtzeitwerte für alle Bürger sichtbar zu machen. Darüber hinaus soll das Netzwerk enger in europäische Systeme wie das Chemical Weather Forecasting Network integriert werden, wodurch nicht nur Echtzeitmessungen, sondern auch nahezu Echtzeitprognosen der Feinstaub- und Ozonkonzentrationen ermöglicht werden.

Ein wichtiger Schritt in Richtung sauberer Luft

Mit dem Projekt für 2020–2021 hat die TRNC ihre Luftqualitätsüberwachung auf ein neues Niveau gebracht. Palas hat mit fortschrittlicher Echtzeit-Messtechnik, die einen wesentlichen Teil dieser Entwicklung ausmacht, dazu beigetragen. Zusammen mit gezielten Maßnahmen zur Reduzierung lokaler Emissionen, Schulungen zum Kapazitätsaufbau und der Einrichtung eines Referenzlabors wurde damit eine solide Grundlage für einen wirksamen Schutz der öffentlichen Gesundheit und eine schrittweise Angleichung an die europäischen Luftqualitätsstandards geschaffen. Auf dieser Grundlage sind ab 2025 weitere Schritte im Rahmen einer zweiten Phase der Modernisierung des Netzwerks geplant, in der die Technologie von Palas erneut eine Rolle spielt. Diese Aktivitäten stärken weiterhin die Überwachungsinfrastruktur, bieten neue Möglichkeiten für wissenschaftliche Zusammenarbeit und erhöhen die Transparenz für die Öffentlichkeit. Das Projekt zeigt, wie moderne Messtechnik, wissenschaftliche Validierung und europäische Zusammenarbeit zusammenwirken können, um die Luftqualität in einer Region mit besonderer Umweltbelastung nachhaltig zu verbessern.

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Literatur

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